Russisch Roulette mit sämtlichen Fehlermeldungen

  • Hallo zusammen!


    Unser Insignia macht uns derzeit leider sorgen. Er spielt Russisch Roulette mit einigen Fehlermeldungen und mir ist nicht schlüssig, ob diese einen Zusammenhang haben oder nicht. Mir ist klar, dass ihr alle keine Glaskugel habt, aber ich hoffe auf eure Einschätzungen bzw. Erfahrungswerte.


    Angefangen hat alles im Februar als die Batterie über Nacht komplett leer gesaugt war, da mein werter Mann ausgestiegen ist obwohl der Schlüssel (wegen leerer Schlüsselbatterie) nicht erkannt wurde und der Insignia daraufhin nicht komplett herunter gefahren hat. Wir mussten Ihn überbrücken, er ist erst nach mehreren Versuchen angesprungen, weil die Batterie wirklich mehr als tot war.


    Seitdem fällt während des Fahrens (meistens nach sehr genau 500 Metern, bzw. einem ganz gewissen Zeitabstand) spontan meine Tankanzeige auf 0. Egal wie voll oder leer der Tank ist. Er wurde vorher nicht überfüllt oder ähnliches. Nach einiger Zeit (manchmal leider auch nicht) fängt sie sich wieder und zeigt den Tankfüllstand an, meistens dann im Zusammenhang mit der Fehlermeldung "Wasser im Kraftstoff" wenn diese Fehlermeldung im Tacho kommt, funktioniert danach die Tankfüllanzeige wieder. Manchmal auch einfach so.


    Gespeichert waren damals folgende Fehler:


    U18A2 Fehler Kommunikation CAN-Bus Kraftstoffpumpensteuermodul

    P205C Signal des SCR-Tanktemperatursensors (AdBlue) unplausibel oder zu niedrig (kam allerdings nach Löschung nie wieder)

    U0076 Fehler Fahrzeugkommunikation D-Bus

    U029D Nox Sensor 1 (Fehler bereits bekannt und war vorher schon da)

    U29E Nox Sensor 2 (war zwar vorher nicht da, aber die Problematik kennen wir ja auch alle)

    P11DC Auch NOX Sensor 2 (vermutlich?)

    P11FF (kam bis gestern auch nicht wieder nach Löschen im Februar)

    P2269 Wasser im Kraftstoff

    Wir haben die Fehler alle gelöscht und man muss dazu sagen, dass jetzt knapp 2 Monate ruhe war, bevor die Tankanzeige wieder zu spinnen begonnen hat. Die Nox-Sensor(en) sind uns schon bekannt und werden demnächst repariert. Die kamen natürlich recht schnell wieder.


    Ich lösche aktuell relativ regelmäßig die Fehlercodes und lese diese regelmäßig aus, man könnte jetzt sagen, wer viel misst, misst Mist. Allerdings haben sich neuerdings folgende Fehler hinzugesellt:


    P119D Problem Kraftstoffanpassung

    P130F Problem Abgasnachbehandlung (NOX Sensoren?)

    P1100 Problem LMM

    P1200 Fehlfunktion im Kraftstoffeinspritzsystem (Injektor-Steuerkreis)


    Das war jetzt mitte Mai. Seitdem spinnt auch die Tankanzeige wieder richtig oft. Man muss dazu sagen, jedesmal wenn die Tankanzeige tot ist, ist von hinten ein deutliches surren zu hören. Sehr hoch und hört auf, wenn der Fehler im Steuergerät gelöscht wird, bzw. das Fahrzeug abgestellt wird. Funktioniert die Tankanzeige, ist auch das surren/piepen weg.


    Gestern kam der Fehler P11FF auch wieder - aber ich weiß nicht recht was der bedeuten soll, im Netz findet man unterschiedliches dazu. Laut meinem Mann ist das Modul nicht gegammelt und die Kontakte in Ordnung.


    Die Frage ist, haben wir uns beim Überbrücken das Steuergerät geschossen? Kann man das selbst messen (Referenzwerte?) Oder kann es wirklich "nur" ein defektes Kraftstoffpumpenmodul sein? Wo würdet ihr ansetzen? Mein Mann ist KFZ-Mechaniker, technisches Fachwissen ist also vorhanden.


    Der Insignia wird derzeit leider zu 90% nur in absoluten Kurzstrecken bewegt, ich weiß, dass das der Diesel-Tod ist, aber aufgrund eines Umzugs und persönlicher Umstände derzeit leider noch nicht anders machbar. Er läuft jedoch einwandfrei, kein Ruckeln, keine Ausfälle. Er läuft einfach. Zwischen den Regenerationen liegen immer noch etwa 500km.


    Er wird meist 1x die Woche "Langstrecke" von mind. 50km gefahren. Die Batterie ist in Ordnung, Start/Stopp würde auch funktionieren, wenn wir das an hätten.


    Ich danke euch bereits jetzt für euren Input und Denkanstöße :)

    Opel Insignia B ST 2.0 Liter Diesel 170 PS, BJ 09/2017 D20DTH

    Einmal editiert, zuletzt von mirrorbabe ()

  • Bei der schieren Anzahl an unterschiedlichen Fehlermeldungen würde ich eher ein Masseproblem vermuten als ein Sammelsurium an einzelnen Defekten.

    Auch ein temporär hängendes Relais oder ein Wackelkontakt einer Sicherung ist möglich bzw. eine korrodierte Steckerverbindung.


    Ich würde mir zunächst einmal den passenden Stromlaufplan besorgen und die einzelnen Massepunkte abklappern.

    Parallel dazu die Batteriepolverbindungen checken und in dem Zuge auch die großen Steuergeräteverbindungsstecker mit Kontaktspray behandeln.

    Sofern das nicht fruchtet, weiter im Fußraum nach den Verbindungen zwischen Innen- und Motorraum suchen, denn hier hatten insbesondere Astras Probleme mit Wassereintritt, mit teils vogelwilden Fehlermeldungen und Aussetzern diverser Art.

  • Zunächst einmal danke dir für deine Rückmeldung!


    Ich fürchte, das wird ein Fass ohne Boden sein. Aber wir werden das auf jeden Fall in Angriff nehmen :)


    Sollte noch jemand anderes Erfahrungswerte oder anderen Input, immer gerne her damit :)

    Opel Insignia B ST 2.0 Liter Diesel 170 PS, BJ 09/2017 D20DTH

  • Es wird teilweise ja nicht gern gesehen, wenn man eine KI befragt.
    Aber bei Deiner sehr ausführlichen Fehlerbeschreibung habe ich dennoch dort mal angeklopft, eventuell hilft Dir das ja ein bisschen aufs Fahrrad...


    Das ist eine ziemlich wilde Fehler-Olympiade, aber die gute Nachricht vorweg: Da dein Kollege KFZ-Mechaniker ist, habt ihr beste Voraussetzungen, das strukturiert einzugrenzen.

    Bei dieser Kombination aus Bus-Fehlern (U-Codes), springenden Anzeigen und dem Surren im Heck gibt es eine sehr heiße Spur. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr beim Überbrücken das Motorsteuergerät (ECU) gegrillt habt, ist eher gering – moderne Steuergeräte sind recht robust gegen Spannungsspitzen beim Fremdstarten, solange man nicht verpolt hat. Die Tiefentladung und das anschließende Orgeln haben aber Spuren hinterlassen.

    Hier ist die logische Aufschlüsselung und die beste Strategie für die Fehlersuche:

    Die Hauptverdächtigen: Wo es hakt

    1. Das Kraftstoffpumpen-Steuermodul (FPCM) & die Tankeinheit

    Das ist der absolute Volltreffer für fast alle Symptome. Der Insignia B hat hinten rechts (meist in der Nähe des Tanks/Radhauses) ein separates Steuergerät für die Kraftstoffpumpe.

    • Der Bus-Fehler: U18A2 sagt glasklar: "Kommunikationsverlust mit Kraftstoffpumpenmodul". Wenn dieses Modul aussteigt oder Amok läuft, bricht das Signal für den Tankgeber zusammen -> Tankanzeige fällt auf 0.
    • Das Surren: Das Steuergerät regelt die Pumpe per Pulsweitenmodulation ($PWM$). Wenn das Modul spinnt oder im Notlauf läuft, steuert es die Pumpe oft mit 100% an oder taktet sie extrem unsauber. Das erzeugt genau dieses hochfrequente Surren, das verschwindet, wenn man den Fehler löscht oder die Zündung ausmacht.
    • Die Injektor-/Kraftstofffehler: P119D, P1200 und P2269 (Wasser im Kraftstoff) hängen da mit drin. Wenn der Kraftstoffdruck wegen des spinnenden FPCM nicht exakt passt oder die Sensorwerte (der Sensor für "Wasser im Kraftstoff" sitzt oft am Filter/Niederdrucksystem) falsch interpretiert werden, wirft das Motorsteuergerät Folgefehler für die Einspritzung.

    2. Der Fehler P11FF (Der entscheidende Hinweis)

    Dieser Code sorgt im Netz oft für Verwirrung. Beim D20DTH-Motor steht P11FF spezifisch für:

    Zitat
    P11FF: Kraftstoffpumpen-Steuermodul – Spannungsversorgung / Referenzspannung unplausibel.

    Das passt perfekt ins Bild! Es bedeutet, dass entweder das Modul selbst intern einen weg hat (vielleicht doch durch die Unterspannung/Tiefentladung im Februar beschädigt), oder dass die Spannungsversorgung bzw. Masse zum Modul ein Problem hat. Auch wenn die Kontakte optisch "sauber" aussehen: Ein minimaler Übergangswiderstand reicht bei CAN-Bus-gesteuerten Modulen völlig aus.

    3. Kurzstrecke, NOX und der Rest (P130F, P1100, etc.)

    • Die NOX-Sensoren (U029D, U29E, P11DC) und der Fehler P130F (Abgasnachbehandlung) sind beim Insignia B leider Standard. Die Sensoren sterben am laufenden Band. Da sie am selben Bus-Strang hängen, können sterbende NOX-Sensoren theoretisch den ganzen Bus stören. Da der Fehler aber schon vorher da war, sind sie hier vermutlich eher "Beifang", sollten aber wegen der Regeneration zeitnah getauscht werden.
    • P1100 (Luftmassenmesser) kann ein Folgefehler der extremen Kurzstrecke sein (AGR-Ventil verrußt, Luftstrom unplausibel bei plötzlichen Lastwechseln).

    Diagnose-Fahrplan für deinen Mann (KFZ-Profi-Ebene)

    Ihr solltet euch voll auf das Kraftstoffpumpen-Steuermodul (FPCM) konzentrieren. Da die Tankanzeige reproduzierbar nach ca. 500 Metern oder einer gewissen Zeit ausfällt, riecht das stark nach einem thermischen Fehler (Bauteil erwärmt sich durch Stromfluss, Verbindung reißt ab) oder einem Problem, sobald die Lichtmaschine nach dem Start die Bordspannung hochregelt.

    Schritt 1: Spannungsversorgung unter Last messen

    Nicht nur statisch messen, ob 12V anliegen!

    • Oszilloskop oder Multimeter an die Spannungsversorgung des FPCM hängen.
    • Fahrzeug starten und warten, bis die 500 Meter um sind bzw. die Tankanzeige ausfällt und das Surren beginnt.
    • Bricht die Versorgungsspannung ein? Schlägt die Masse fehl? (Spannungsverlustmessung auf der Masseleitung machen!).

    Schritt 2: CAN-Bus Pegel prüfen

    Da U18A2 und U0076 gesetzt sind:

    • Wenn der Fehler aktiv ist (Anzeige 0, Surren da), die CAN-High und CAN-Low Leitungen am Stecker des FPCM gegen Masse und zueinander messen (Soll: ca. 2,5V im Ruhepegel, differenzielles Signal im Betrieb).
    • Hintergrund: Wenn einer der defekten NOX-Sensoren den Bus flutet, sobald er heiß wird, könnte er das FPCM abklemen. Zum Testen: Wenn die Tankanzeige ausfällt, testweise die Stecker der NOX-Sensoren ziehen und schauen, ob die Tankanzeige nach einem Neustart stabil bleibt.

    Schritt 3: Quertausch / Teilenummer prüfen

    Wenn Kabel und Stecker zu 100% intakt sind und die Spannung stabil bleibt, hat das FPCM beim Zusammenbruch der Batterie im Februar eine Spannungsspitze bekommen und schaltet intern nach ein paar Minuten Betrieb auf Störung (daher das Surren der Pumpe im Notlauf).

    • Das Modul sitzt beim Insignia oft etwas ungeschützt. Auch wenn es von außen gut aussieht, wandert manchmal Feuchtigkeit durch die Kabelisolierung ins Innere.
    • Besorgt euch ein gebrauchtes oder neues FPCM. Achtung: Manche dieser Module müssen auf das Fahrzeug programmiert werden (SPS bei Opel/GM), da sie eine Variantenkonfiguration enthalten.

    Fazit & Beruhigung

    Das Motorsteuergerät ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gesund. Der Hauptübeltäter ist die Ansteuerung der Kraftstoffpumpe (FPCM / Fehler P11FF). Dass der Wagen mechanisch sauber läuft und alle 500km regeneriert, zeigt, dass die Kern-Motorsteuerung und die Injektoren ihren Job eigentlich gut machen.

    Konzentriert euch auf das Pumpenmodul im Heck und dessen Verkabelung, dann solltet ihr den Fehler schnell eingegrenzt haben!

    Gruß aus dem Ruhrgebiet - Marc
    Insignia Sports Tourer 1.5, Automatik, EZ 6/2018, Rufname "Oswald"

    Opel Senator A2 2.5i, Automaitk, EZ 5/1985, Rufname "Silvester"