Wenn Scheiben einmal verzogen sind, dann bleiben sie das meist auch, weil durch die Bildung von lokalen Hotspots bzw. flächiges Anlassen die Gitterstruktur des Materials verändert und dadurch weicher wurde.
Aufschluss könnte hier nur eine Härtemessung geben.
Wenn der Reibwert zwischen Scheibe und Belag nicht mehr passt, entsteht (partiell) zu viel Hitze, was zu (weiterem) Verzug führt, daher auch immer der Rat der Hersteller sowohl Scheiben als auch Beläge von ein und der selben Markenserie zu verwenden, da hier die Reibwerte aufeinander abgestimmt sind.
Kommt es dennoch zu Verzug, als erstes immer überprüfen:
- Radlagerspiel
- Anlagefächen (Nabe, Scheibe, Felge) auf Oxidation
- Bremssattel auf Verzug (Aufweitung der Zange)
- Bremskolben auf Leichtgängigkeit
Letztere beide sind nicht zu unterschätzen, denn gerade verrostete und damit schwergängige Kolben ruinieren einem neuen Scheiben binnen kürzester Zeit selbst ohne Gewaltbremsung erneut. Auch Punkt 3 ist kein Spaß, denn mit aufgeweiteten Bremssätteln tritt man bei einer Gewaltbremsung ruckzuck ins Leere.
Auch wichtig als Präventivmaßnahme: Nach starken Bremsungen alsbald runter von der Bremse und möglichst wieder Fahrt aufnehmen um die Scheiben im Luftstrom gleichmäßig zu kühlen.
Die Klassiker sind wohl Stopps an Stauenden und an Ampeln nach Ausfahrten, bei denen man im Stillstand stumpf auf dem Bremspedal stehen bleibt. Die Scheiben kühlen an offenen Stellen schneller aus als den an Kontaktstellen der Beläge... und der Kittel ist geflickt.
Wenn unvermeidbar, dann in Neutral schalten und Handbremse betätigen, damit die Beläge etwas Abstand bekommen.
Vorn bremst 75...80%, hinten nur 20...25%, daher kommt es vorn eher zu einem Hitzestau, der möglichst rasch abgebaut werden sollte.
Ob Größe und somit Masse sind die Gyrokräfte an vorderen Scheiben größer, zudem ist die VA gelenkt und die HA starr. Ein Schlag in den Scheiben macht sich daher auf der VA exorbitant mehr bemerkbar als auf der HA. Von Sicherheit und Kosten ganz zu schweigen...